
Was im Körper passiert
Das Immunsystem bildet Antikörper gegen Bestandteile der Schilddrüse. Über Jahre gehen dadurch Schilddrüsenzellen zugrunde, das Organ vernarbt und produziert schrittweise weniger Hormone.
Weil das langsam passiert, gleicht der Körper lange aus. Viele Frauen erfahren erst durch einen Zufallsbefund von ihrem Hashimoto – oder erst dann, wenn sich eine Unterfunktion bemerkbar macht.
Auf einen Blick
- Was es ist: eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse – Frauen sind fünf- bis zehnmal häufiger betroffen
- Nachweis: TPO-Antikörper und das typische Ultraschallbild
- Verlauf: oft jahrelang unbemerkt, mündet meist in eine Unterfunktion
- Behandelt wird: die Funktionsstörung, nicht der Antikörperwert
- Kinderwunsch: bitte früh melden – der Zielbereich ist dann enger
- Termin: online buchen oder telefonisch unter +43 1 5333 654
Zwei Verlaufsformen
- die klassische Form mit Struma, bei der die Schilddrüse zunächst wächst
- die atrophische Form, bei der sie schrumpft – sie ist in Österreich häufiger
Zu Beginn kann es kurzzeitig sogar zu einer Überfunktion kommen: Beim Untergang von Zellen wird gespeichertes Hormon auf einmal freigesetzt. Diese Phase heißt Hashitoxikose, dauert einige Wochen und geht von selbst wieder vorüber.
Wie wir Hashimoto feststellen
Drei Bausteine ergeben zusammen die Diagnose:
- TPO-Antikörper im Blut, ergänzt durch Tg-Antikörper
- Ultraschall: das Gewebe erscheint dunkler und unruhiger als bei einer gesunden Schilddrüse
- Funktionswerte: TSH und fT4 zeigen, ob die Schilddrüse noch genug produziert
Der Antikörperwert sagt übrigens nichts über den Schweregrad aus. Ein sehr hoher Wert bedeutet nicht, dass es Ihnen schlechter geht – und ein sinkender Wert ist kein Therapieerfolg. Behandelt wird die Funktion, nicht die Zahl.

Selen, Jod und Ernährung – ehrlich betrachtet
Selen: Studien zeigen, dass eine Selengabe die Antikörperwerte senken kann. Ob es Ihnen dadurch tatsächlich besser geht oder der Verlauf günstiger wird, ist nicht belegt. Wir empfehlen Selen daher nicht pauschal, sondern besprechen es im Einzelfall.
Jod: Normale Mengen über die Ernährung sind unbedenklich und nötig. Von hochdosierten Jodpräparaten und Algenprodukten raten wir bei Hashimoto ab – sie können den Verlauf ungünstig beeinflussen.
Diäten: Eine spezielle Hashimoto-Diät gibt es nicht. Wer gleichzeitig eine Zöliakie hat, muss glutenfrei essen; für alle anderen ist der Nutzen nicht belegt.
Leben mit Hashimoto
Solange die Schilddrüse noch genug produziert, wird nicht behandelt – wir kontrollieren einmal jährlich. Entwickelt sich eine Unterfunktion, ersetzen wir das fehlende Hormon mit L-Thyroxin.
Mit gut eingestellten Werten führen die allermeisten Frauen mit Hashimoto ein völlig normales Leben: Sport, Reisen, Schwangerschaft, alles ohne Einschränkung. Planen Sie eine Schwangerschaft, melden Sie sich bitte früh – der Zielbereich ist dann enger, siehe Schilddrüse und Kinderwunsch.
Häufige Fragen
Ist Hashimoto heilbar?
Die Autoimmunreaktion selbst lässt sich nach heutigem Wissen nicht rückgängig machen. Die daraus entstehende Unterfunktion lässt sich aber vollständig ausgleichen – und damit sind Sie beschwerdefrei. In der Praxis ist das für die meisten Frauen der entscheidende Unterschied.
Ich habe Antikörper, aber normale Werte. Muss ich etwas tun?
Behandeln müssen wir nichts. Sinnvoll ist eine jährliche Kontrolle von TSH und fT4, damit wir eine entstehende Unterfunktion früh bemerken. Bei Kinderwunsch oder in der Schwangerschaft kontrollieren wir engmaschiger.
Kann Stress Hashimoto auslösen?
Stress allein löst keine Autoimmunerkrankung aus. Belastende Lebensphasen, Infekte oder eine Schwangerschaft können aber der Auslöser sein, bei dem eine bereits angelegte Veranlagung erstmals sichtbar wird.
Darf ich mit Hashimoto Sport machen?
Uneingeschränkt, sobald die Werte im Zielbereich liegen. Bei unbehandelter Unterfunktion fühlt sich Training oft mühsam und wenig ergiebig an – das ändert sich mit der richtigen Einstellung meist deutlich.