Warum der Zielbereich enger ist
Im Alltag gilt ein TSH bis etwa 4 mU/l als normal. Bei Kinderwunsch ziehen wir die Grenze deutlich enger und streben einen Wert unter 2,5 mU/l an.
Der Grund liegt in den ersten Schwangerschaftswochen: Das Kind bildet erst ab der zwölften Woche eigene Schilddrüsenhormone. Bis dahin ist es vollständig auf die Mutter angewiesen – und zwar in einer Phase, in der sich das Nervensystem anlegt. Ein Vorrat, der für Sie ausreicht, kann für zwei zu knapp sein.
Auf einen Blick
- Zielbereich: TSH unter 2,5 mU/l – enger als im Alltag
- Mitbestimmt: TPO-Antikörper, sie erhöhen das Risiko für eine Fehlgeburt
- Auch latent wird behandelt: bei Kinderwunsch in der Regel ja
- Vor IVF oder ICSI: Schilddrüse vorher einstellen lassen
- Im selben Haus: Gynäkologie und Kinderwunsch-Betreuung
- Termin: online buchen oder telefonisch unter +43 1 5333 654

Was wir vor einer Schwangerschaft prüfen
Wir bestimmen TSH und fT4 sowie die TPO-Antikörper. Der Ultraschall zeigt ergänzend, ob die Schilddrüse strukturell auffällig ist.
Liegt das TSH über dem Zielwert, beginnen wir mit einer niedrigen Dosis L-Thyroxin und kontrollieren nach vier bis sechs Wochen. In der Regel ist der Wert dann dort, wo er sein soll – ohne dass Sie davon etwas spüren.
Die Rolle der TPO-Antikörper
Etwa jede zehnte Frau hat TPO-Antikörper, ohne je Beschwerden gehabt zu haben. Für den Kinderwunsch sind sie trotzdem relevant: Frauen mit nachweisbaren Antikörpern haben ein höheres Risiko für eine frühe Fehlgeburt und für eine Unterfunktion im Verlauf der Schwangerschaft – auch dann, wenn das TSH aktuell normal ist.
Wir behandeln deshalb nicht die Antikörper, kontrollieren aber engmaschiger und greifen früher ein, wenn das TSH zu steigen beginnt.
Nicht nur die Frau
Auch bei Männern kann eine ausgeprägte Schilddrüsenfunktionsstörung die Spermienqualität beeinträchtigen. Das ist deutlich seltener der entscheidende Faktor, gehört bei längerem unerfülltem Kinderwunsch aber in die Abklärung – und ist ebenso einfach zu testen.
Häufige Fragen
Mein TSH ist 3,2 – ist das schlecht?
Für den Alltag nicht, für einen Kinderwunsch liegt der Wert aber über dem Zielbereich. Meist genügt eine niedrig dosierte Tablette, um ihn unter 2,5 zu bringen. Wir kontrollieren dann nach vier bis sechs Wochen.
Muss ich L-Thyroxin nach der Geburt weiternehmen?
Das hängt vom Ausgangsbefund ab. Wurde die Therapie nur wegen der Schwangerschaft begonnen und liegen keine Antikörper vor, kann sie danach oft wieder beendet werden. Bei Hashimoto bleibt sie in der Regel bestehen. Wir kontrollieren einige Wochen nach der Geburt und entscheiden gemeinsam.
Soll ich Jod einnehmen, wenn ich schwanger werden will?
Der Jodbedarf steigt in der Schwangerschaft deutlich. Die meisten Schwangerschaftsvitamine enthalten daher Jod, was in dieser Dosis sinnvoll ist. Bei bekannter Hashimoto-Thyreoiditis besprechen wir das individuell.