Woran Sie eine Unterfunktion erkennen können
Die Beschwerden sind einzeln betrachtet alle unspezifisch – gemeinsam ergeben sie aber ein wiedererkennbares Muster:
- anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit, auch nach ausreichend Schlaf
- Frieren, wo andere es angenehm warm finden
- trockene, kühle Haut, brüchige Nägel, glanzloses Haar bis hin zu Haarausfall
- Gewichtszunahme ohne Änderung von Essen oder Bewegung
- Verstopfung
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, gedrückte Stimmung
- stärkere, längere oder unregelmäßige Regelblutungen
- unerfüllter Kinderwunsch
Werden Sie hellhörig, wenn mehrere dieser Punkte zusammenkommen und über Wochen bleiben. Ein einzelner Bluttest bringt hier meist rasch Klarheit.
Auf einen Blick
- Typisch: Müdigkeit, Frieren, trockene Haut, Haarausfall, Verstopfung, Konzentrationsprobleme
- Häufigste Ursache: die Hashimoto-Thyreoiditis
- Diagnose: TSH und fT4, ergänzt durch TPO-Antikörper und Ultraschall
- Behandlung: L-Thyroxin, morgens nüchtern, dreißig Minuten vor dem Frühstück
- Erste Kontrolle: sechs bis acht Wochen nach Therapiebeginn
- Termin: online buchen oder telefonisch unter +43 1 5333 654

Warum es so lange dauert, bis jemand nachschaut
„Sie sind eben gestresst.“ „Das ist das Alter.“ „Nach der Geburt ist man halt müde.“ Diese Sätze hören Frauen mit Unterfunktion oft jahrelang, bevor jemand die Schilddrüse misst. Der Grund: Erschöpfung passt zu vielem.
Wir gehen den umgekehrten Weg. Wenn Sie mit diesem Beschwerdebild kommen, wird die Schilddrüse nicht am Ende einer langen Ausschlussliste geprüft, sondern am Anfang – weil der Test einfach, schnell und aussagekräftig ist.
Ursachen
- Hashimoto-Thyreoiditis: die mit Abstand häufigste Ursache in Österreich. Mehr dazu auf der Seite Hashimoto-Thyreoiditis.
- nach Operation oder Radiojodtherapie: wenn Schilddrüsengewebe entfernt oder stillgelegt wurde
- Medikamente: etwa Amiodaron, Lithium oder bestimmte Krebstherapien
- Jodmangel: in Österreich durch jodiertes Speisesalz selten geworden
- vorübergehend nach einer Entzündung oder nach der Geburt
Die latente Unterfunktion
Häufig finden wir ein leicht erhöhtes TSH bei noch normalem fT4. Das nennt man latente oder subklinische Unterfunktion. Sie ist kein Notfall und muss nicht in jedem Fall behandelt werden.
Für eine Behandlung sprechen: deutliche Beschwerden, ein stark erhöhtes TSH, nachweisbare TPO-Antikörper, ein bestehender Kinderwunsch oder eine Schwangerschaft. Dagegen spricht ein leicht erhöhter Wert ohne Beschwerden bei einer ansonsten gesunden Frau – hier kontrollieren wir zunächst nach.

Die Therapie: L-Thyroxin
L-Thyroxin ersetzt genau das Hormon, das fehlt. Es ist keine Chemie, die der Körper nicht kennt, sondern die synthetische Form des körpereigenen T4. Richtig dosiert hat es keine Nebenwirkungen, weil der Körper einfach wieder auf Normalniveau arbeitet.
Die Tablette wird morgens nüchtern eingenommen, etwa dreißig Minuten vor dem Frühstück und mit Wasser – nicht mit Kaffee. Wir beginnen mit einer vorsichtigen Dosis und tasten uns über Kontrollen an den für Sie passenden Wert heran.
Von der Diagnose zur stabilen Einstellung
Diagnose
TSH, fT4, Antikörper, Ultraschall
Start
niedrige Anfangsdosis L-Thyroxin
Kontrolle
nach sechs bis acht Wochen, Dosis anpassen
Stabil
danach meist jährliche Kontrolle
Häufige Fragen
Muss ich L-Thyroxin ein Leben lang nehmen?
Bei einer Hashimoto-bedingten oder nach einer Operation entstandenen Unterfunktion in aller Regel ja, weil das fehlende Hormon dauerhaft ersetzt werden muss. Bei einer vorübergehenden Unterfunktion – etwa nach einer Entzündung oder nach der Geburt – kann die Therapie nach einigen Monaten wieder abgesetzt werden. Das entscheiden wir gemeinsam anhand der Verlaufswerte.
Ich habe die Tablette vergessen – was jetzt?
Kein Grund zur Sorge. L-Thyroxin hat eine lange Halbwertszeit, eine vergessene Tablette fällt kaum ins Gewicht. Nehmen Sie die nächste wie gewohnt ein. Doppelte Dosen sind nicht nötig.
Nehme ich mit L-Thyroxin ab?
Nur das, was durch die Unterfunktion an Wasser eingelagert wurde – meist ein bis drei Kilogramm. L-Thyroxin ist kein Abnehmmittel, und eine Überdosierung zum Abnehmen ist gefährlich für Herz und Knochen. Mehr dazu auf der Seite Schilddrüse, Gewicht und Wechseljahre.
Kann ich statt Tabletten etwas an der Ernährung ändern?
Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Jod und Selen unterstützt die Schilddrüse, kann fehlende Hormone aber nicht ersetzen. Von hochdosierten Jodpräparaten raten wir bei Hashimoto ausdrücklich ab.